Stoffe, Materialien & Sitzpolster: Was straede Radbekleidung ausmacht

Radbekleidung besteht aus verschiedenen Materialien und Komponenten, die jeweils eine bestimmte Funktion erfüllen. Die verwendeten Fasern beeinflussen zum Beispiel, wie sich ein Stoff anfühlt, wie elastisch er ist oder wie schnell er trocknet. Beim Sitzpolster kommen weitere Faktoren hinzu: Aufbau, Material und unterschiedliche Polsterzonen spielen eine wichtige Rolle für den Komfort auf längeren Fahrten.

Welche Stoffe und Materialien wir für unsere Radbekleidung verwenden und welche Eigenschaften sie mitbringen, erklären wir in diesem Überblick. Dabei geht es nicht nur um einzelne Fasern, sondern auch um die Verarbeitung, den Aufbau unserer Sitzpolster und die Pflege.

Die Fasern

Polyamid

Polyamid bildet die Basis vieler unserer Stoffe und wird unter anderem für die Außenseite unserer Jacken eingesetzt. Die Faser ist abrieb- und reißfest und eignet sich deshalb gut für Kleidungsstücke, die regelmäßig beansprucht werden. Gleichzeitig ist Polyamid elastisch und fühlt sich vergleichsweise weich an.

Für Radbekleidung ist diese Kombination besonders praktisch: Der Stoff kann Bewegungen mitmachen und anschließend wieder weitgehend in seine ursprüngliche Form zurückkehren. Außerdem ist er robust genug für den regelmäßigen Einsatz auf dem Rad.

Polyester

Polyester nimmt nur wenig Feuchtigkeit auf. Schweiß kann dadurch an der Faser entlang nach außen transportiert werden, wo er verdunstet. Das Material trocknet deshalb vergleichsweise schnell und kann sich insbesondere bei warmen Temperaturen angenehm leicht anfühlen.

Im Vergleich zu Polyamid ist Polyester weniger abriebfest. Deshalb setzen wir die Faser vor allem dort ein, wo sie weniger Reibung ausgesetzt ist, beispielsweise in der ersten Schicht unter dem Trikot, bei winddichten Westen und Windbreakern sowie bei den Innenfuttern unserer Jacken.

Polyamid und Polyester werden häufig miteinander verglichen, haben aber unterschiedliche Eigenschaften: Polyamid ist besonders robust und weich, während sich Polyester vor allem durch seine geringe Feuchtigkeitsaufnahme und seine Formstabilität auszeichnet.

Elasthan

Elasthan sorgt dafür, dass sich ein Stoff dehnen und anschließend wieder in seine ursprüngliche Form zurückkehren kann. Gerade bei eng anliegender Radbekleidung ist diese Eigenschaft wichtig, da sich das Material während der Bewegung mit dem Körper mitbewegen muss.

Der Anteil an Elasthan beeinflusst dabei den Charakter eines Stoffes. Bei unserer Radbekleidung liegt er je nach Produkt zwischen etwa 10 und 25 Prozent.

  • Niedriger Anteil, unter 15 Prozent: Der Stoff bleibt leicht und vergleichsweise luftig und liegt weniger eng an. Das eignet sich beispielsweise für warme Tage und Oberteile, bei denen ein lockerer Sitz gewünscht ist.
  • Mittlerer Anteil, 15 bis unter 20 Prozent: Hier stehen Bewegungsfreiheit und ein stabiler Sitz in einem ausgewogenen Verhältnis. Der Stoff bietet ausreichend Elastizität, ohne schwer zu wirken.
  • Hoher Anteil, ab 20 Prozent: Ein höherer Elasthananteil kann für mehr Druck und Kompression sorgen. Das ist insbesondere bei eng geschnittenen Radhosen und Langarmtrikots relevant und trägt dazu bei, dass das Kleidungsstück und das Sitzpolster an ihrem Platz bleiben.

Elasthan reagiert empfindlich auf hohe Temperaturen und Weichspüler. Beides kann die Faser mit der Zeit beeinträchtigen und damit auch die Elastizität des Materials reduzieren.

Coolmax

Coolmax ist eine spezielle Faserstruktur auf Polyesterbasis. Die Fasern haben einen profilierten Querschnitt mit Rillen, über die Feuchtigkeit von der Haut weg an die Oberfläche transportiert werden kann. Dort kann sie schneller verdunsten als bei einem herkömmlichen Funktionsstoff.

Besonders bei höherer körperlicher Belastung und entsprechend stärkerem Schwitzen kann diese Eigenschaft relevant sein. Bei weniger intensiven Fahrten fällt der Unterschied dagegen meist geringer aus. Deshalb verwenden wir Coolmax gezielt in den Trikots der Pro Line und nicht in allen Produkten.

Merinowolle

Merinowolle ist eine Naturfaser und kommt ebenfalls in unserem Sortiment zum Einsatz. Sie kann auch im feuchten Zustand noch wärmen und nimmt vergleichsweise wenig Geruch an.

Das macht Merino insbesondere für Kleidungsstücke interessant, die direkt auf der Haut getragen werden und über längere Zeit im Einsatz sind. Im Vergleich zu vielen synthetischen Fasern trocknet Merinowolle allerdings langsamer und benötigt eine entsprechend schonende Pflege.

Lyocell

Lyocell wird aus Holzzellstoff hergestellt und unterscheidet sich damit sowohl von klassischen Kunstfasern als auch von Naturfasern wie Wolle. Die Faser kann Feuchtigkeit gut aufnehmen und zeichnet sich durch eine glatte, weiche Oberfläche aus.

Bei uns wird Lyocell nicht als alleiniger Bestandteil eingesetzt, sondern in Kombination mit anderen Fasern. Unter anderem trägt es dazu bei, Gewebe mit Merinowolle strapazierfähiger zu machen.

Der Stoffaufbau

Neben der verwendeten Faser spielt auch die Konstruktion des Stoffes eine wichtige Rolle. Je nach Material und Einsatzbereich kommen unterschiedliche Verarbeitungen zum Einsatz.

  • Nahtlose Konstruktion: Wo es die Konstruktion eines Kleidungsstücks zulässt, verzichten wir auf Nähte. Dadurch entstehen weniger Kontaktstellen zwischen Stoff und Haut. Besonders an Beinabschlüssen kann das dazu beitragen, dass die Kleidung sicher sitzt, ohne unnötig einzuschneiden.
  • Innenfleece: Für kühlere Temperaturen können Stoffe auf der Innenseite aufgeraut werden. Die dabei entstehende Struktur hält eine dünne Luftschicht am Körper und unterstützt dadurch die Wärmeisolierung. Gleichzeitig ist die aufgeraute Oberfläche empfindlicher gegenüber Abrieb. Bei einem Trikot mit Innenfleece sollte deshalb beispielsweise der Kontakt mit einem Rucksack berücksichtigt werden.
  • Gewebestruktur: Auch die Struktur eines Stoffes beeinflusst seine Eigenschaften. Je nach Konstruktion kann sie beispielsweise dazu beitragen, Feuchtigkeit von der Haut wegzuleiten, Luftzirkulation zu ermöglichen oder dem Material mehr Stabilität zu geben.

Das Sitzpolster: Schicht für Schicht

Das Sitzpolster gehört zu den wichtigsten Bestandteilen einer Radhose. Über den Komfort entscheidet dabei nicht allein die Dicke.

Ist das Material zu voluminös, kann es sich während der Fahrt stärker bewegen, Falten bilden und dadurch Reibung verursachen.

Die Schichten

  • Die Oberfläche: Sie liegt direkt auf der Haut und sollte Feuchtigkeit aufnehmen und weiterleiten können. Wir verwenden hierfür unter anderem eine Wabenstruktur. Sie unterstützt den Feuchtigkeitstransport und lässt gleichzeitig Luft an die Haut.
  • Der Schaumstoff: Unterhalb der Oberfläche befindet sich der Schaumstoff. Wir verwenden Memory-Schaumstoff, der sich unter Druck verformt und anschließend wieder in seine ursprüngliche Form zurückkehrt. Dadurch kann sich das Material an die Sitzposition anpassen und behält auch über längere Fahrzeiten seine Funktion.
  • Die Mehrlagigkeit: Bei mehrlagigen Sitzpolstern können unterschiedliche Schaumstoffdichten gezielt an verschiedenen Stellen eingesetzt werden. Bereiche mit höherer Belastung können beispielsweise stärker unterstützt werden, während die Ränder dünner oder weicher ausgeführt sind. Dadurch lässt sich das Polster gezielter an die Anatomie und die Belastungsverteilung anpassen.
  • Die antibakterielle Ausstattung: Da ein Sitzpolster über längere Zeit warm und feucht sein kann, werden bei entsprechenden Modellen antibakterielle Technologien eingesetzt. Sie können das Wachstum von Bakterien hemmen und damit sowohl zur Hygiene als auch zur Haltbarkeit des Materials beitragen.

Sitzpolster und Fahrtdauer

Sitzpolster werden für unterschiedliche Einsatzbereiche entwickelt. Neben der Anatomie und der Passform spielt auch die geplante Fahrtdauer eine Rolle.

  • Bis etwa 6 Stunden: Mehrlagige Konstruktionen eignen sich für kürzere und mittellange Ausfahrten, etwa Feierabendrunden, Gruppenausfahrten oder Tagestouren.
  • Über 6 Stunden: Für längere Fahrten können Polster mit zusätzlichen Lagen, stärkerer Dämpfung und einer größeren Auflagefläche sinnvoll sein. Diese Polster beziehen wir von Elastic Interface, einem italienischen Hersteller, der auf Sitzpolster für Radsportbekleidung spezialisiert ist.

Ein größer ausgelegtes Sitzpolster ist dabei nicht grundsätzlich die bessere Wahl. Entscheidend ist, dass Aufbau und Konstruktion zur jeweiligen Fahrtdauer und zum Einsatzbereich passen.

Die Pflege

Wie lange Radbekleidung hält, hängt auch von der richtigen Pflege ab. Gerade elastische Materialien wie Elasthan können durch hohe Temperaturen und ungeeignete Waschmittel beeinträchtigt werden.

  • Maximal 30 Grad im Schonwaschgang: Hohe Temperaturen können Elasthan belasten und seine Elastizität beeinträchtigen.
  • Kein Weichspüler: Weichspüler kann sich auf den Fasern ablagern, den Feuchtigkeitstransport des Materials beeinträchtigen und das Elasthan angreifen.
  • Kein Trockner: Auch die hohe Temperatur beim Trocknen kann insbesondere dem Elasthan zusetzen.
  • Reißverschlüsse schließen, auf links drehen und ein Wäschenetz verwenden: Das reduziert die mechanische Belastung beim Waschen und schützt insbesondere empfindlichere Materialien wie Innenfleece und Sitzpolster.

Diese Hinweise gelten für Kunstfasern. Für Merinowolle und Jacken gelten eigene Empfehlungen, die du auf der jeweiligen Produktseite unter Material & Pflege findest.

Weitere Hinweise zur richtigen Pflege findest du in unserem Pflege-Guide.

Und falls beim Fahren doch einmal etwas passiert: Im Rahmen unserer Sturz-Ersatz-Garantie ersetzen wir beschädigte Teile nach einem Sturz kostenfrei.